Achte auf echten Tierschutz Volunteering-Tipps von Isabel Dwinger | Teil 7 von 10

| 30. Juni 2017 | 0 Kommentare

Achte auf echten Tierschutz, statt Attraktionen für Touristen! Für Volontäre aus der ganzen Welt ist die Arbeit mit Wildtieren – ob an Land oder im Wasser – sehr attraktiv. Es ist der Traum vieler, in Tierschutzprojekten Hilfe zu leisten und gleichzeitig in den Genuss zu kommen, Elefanten zu baden oder zu reiten, mit Delphinen zu schwimmen oder Selfies mit Löwenbabies zu machen. Doch auch hier liegt es in deiner Verantwortung herauszufinden, was sich hinter den Projekten verbirgt, ob sie sinnvoll und vor allem artgerecht sind.

Ein Affe ist kurz davor von Baum zu Baum zu springen

Wenn Einrichtungen solche Attraktionen mit Wildtieren anbieten, kannst du dir im Umkehrschluss zum Thema „artgerecht“ schon einmal ganz banal die Frage stellen, ob sich ein wilder Löwe mit dir fotografieren ließe? Ob es auch der Traum eines Delfins ist, mit dir zu schwimmen? Oder ob sich ein ausgewachsener Elefant gefallen ließe, von einem Menschen gebadet zu werden? Die logische Antwort ist: nein. Die Tiere müssen dafür konditioniert und trainiert werden. Und das kann auf sehr unschöne Weise geschehen, wie es zunehmend in die Kritik geraten ist.

Von Tierschutzorganisationen wird allgemein bemängelt, dass Junge – ob Elefanten, Tiger oder Löwen – früh von ihrer Mutter getrennt und stattdessen an Touristen gewöhnt werden, die sie kuscheln, füttern und fotografieren dürfen. Die Jungen sind dann aber nicht in der Lage, ihre natürlichen Instinkte auszubauen. Im schlimmsten Fall werden die Tiere auch noch unter schmerzhaften Bedingungen für den Tourismus konditioniert, wie es bei Elefanten zum Beispiel der Fall sein kann.  Tierschutz-Organisationen berichten u.a. davon, dass die Jungtiere mit Metallspitzen gefügig gemacht werden.

Es gibt aber natürlich auch Fälle, in denen sich aufgenommenen Wildtiere auf natürliche Weise an den Menschen gewöhnen. Das muss dann nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein.

Eine letzte unschöne, aber schwer zu überprüfende Kritik stellt zudem eine Analogie zu den Waisenkindern dar: Es wird vermehrt davon berichtet, dass es sich bei den Tieren oft um gar keine Wildtiere (mehr) handelt. Sie waren es einmal oder wurden extra gezüchtet, um für Touristenattraktionen gehalten zu werden und zur Verfügung zu stehen, denn zahme Löwen, Tiger, Elefanten und Consorten in „freier Wildbahn“ sind für Touristen sehr aufregend, was die steigende Nachfrage vor allem auf dem afrikanischen Kontinent zeigt.

So etwas über das potenzielle Projekt herauszufinden, ist nicht einfach. Es in Kauf zu nehmen, aber unverantwortlich. Denn Wildtiere sollten niemals zu touristischen Zwecken gefangen werden. Wobei auch hier wieder differenziert werden muss. Es gibt z.B. positiv hervorzuhebende Ausnahmen, in denen nur kranke Tiere oder solche, die eigentlich getötet werden sollen, aufgenommen werden. Das ist zum Beispiel in diesem Projekt der Fall. (Link zu Steffens Projekt?)

Sobald du ein Tierschutzprojekt ins Auge gefasst hast, empfehle ich dir, zunächst das konkrete Angebot, das dir als Volontär und ggf. den Besuchern gemacht wird, zu studieren. Umfassen sie zum Beispiel Aktivitäten wie Streicheln und Fotografieren, verzichte auf einen Aufenthalt dort. Sieh dich ferner um, ob transparent gemacht wird, woher die Tiere kommen, wie sie gehalten werden und was am Ende mit ihnen geschieht. Projekte mit Wildtieren sollten immer zum Ziel haben, die Tiere zu angemessener Zeit wieder auszuwildern. Ich habe zunehmend Berichte gefunden, in denen es hieß, wissenschaftliche Projekte würden u.a. die Tiere am Ende ihrer Forschung für viel Geld zur Jagd freigeben, anstatt sie auszuwildern. Natürlich ist fraglich, ob an den Menschen gewöhnte Tiere überhaupt noch in der freien Wildbahn überleben würden. Aber das ist nun einmal ihr natürlicher Lebensraum. Ich selbst habe einmal in einem wissenschaftlichen Artenschutzprojekt mit Meeresschildkröten gearbeitet, in denen die Tiere tatsächlich in die freie Laufbahn zurückgebracht wurden; und zwar von uns Volontären, sobald der Nachwuchs geschlüpft war. Wieder einmal lässt sich die Kritik also nicht pauschal bestätigen, aber von solchen Praktiken zu wissen, hilft bei der sensiblen Recherche nach sinnvollen Tierschutz-Projekten.

Grundsätzliche Ansprechpartner bei Freiwilligenarbeit mit Tieren sind spezialisierte Tierschutzverbände. Eine Liste speziell mit verantwortungsvollen Projektanbietern für die Arbeit mit Walen und Delphinen gibt es bei Cetacea. Auch whales.org schafft Abhilfe. Ein auf Nachhaltigkeit und Artenschutz setzender Anbieter für Projekte mit (Wild-)Tieren ist z.B. Natucate. Auf deren Website findest du auch weitere Praxisbeispiele, bei denen – so wörtlich – die Alarmglocken läuten sollten.

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Isabel Dwinger

Über den Autor ()

Reisen? Das geht immer für Isabel Dwinger! Ob Work and Travel in Australien, Freiwilligenarbeit in Costa Rica, ein Praktikum in Spanien oder aber verschiedene Projekte wie die Bachelorarbeit in Ecuador oder eine Exkursion nach Madagaskar im Rahmen ihres Geographie-Studiums; in jeder Lebenssituation findet sie Wege ins Ausland. Darüber hinaus wirft sie auch gerne von zu Hause aus (kritische) Blicke auf derartige Aufenthalte und teilt ihre Erfahrungen am liebsten mit der Öffentlichkeit. Daher ist sie schon seit vielen Jahren Autorin für die Initiative Auslandszeit.

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