Als Volunteer in Costa Rica | Erfahrungsbericht von Julia Costa Rica – 3 Monate soziales Volunteering mit Kindern

| 18. September 2018 | 0 Kommentare

von Julia

Schon lange stand für mich fest, dass ich nach meinem Abitur für längere Zeit ins Ausland wollte, am liebsten (zunächst) nicht ganz sooo lange. In ein spanischsprachiges Land und dabei noch etwas Gutes tun – das war mir besonders wichtig.

Nach einiger Recherche habe ich mich für die Hilfe einer Organisation entschieden. Zukünftigen Volontären würde ich allerdings empfehlen, mehr auf die Arbeitszeit im Projekt zu achten. Bei meinem Projekt konnte ich nur drei Stunden Arbeitszeit am Tag in Anspruch nehmen. Ich bin jedoch der Meinung, dass Leute, die gerne einen Langzeiturlaub gepaart mit ein wenig Sozialarbeit nebenbei erleben möchten, hier deutlich besser aufgehoben sind.

Menschen, die wie ich wirklich helfen und anpacken wollen, sollten sich deshalb vorab gründlich informieren. Warum ich in Costa Rica trotzdem die wohl spannendsten Monate meines Lebens hatte, möchte ich nun hier berichten.

Aufbruch ins Abenteuer

Wenige Tage nach meinem 18. Geburtstag ging es für mich in das kleine Land Costa Rica. Genauer gesagt, in ein direkt an der Pazifikküste gelegenes Örtchen namens Uvita, das trotz der unbefestigten Straßen bei Touristen recht beliebt ist. Da ich jedoch in der eher unbeliebten Regenzeit dort war, habe ich davon wenig mitbekommen.

Gelebt habe ich bei einer sehr lieben Gastfamilie mit drei Kindern, durch die ich den typischen, sehr entspannten Alltag der Ticos (so nennen sich Costaricaner gerne selber) hautnah miterleben durfte und mein Spanisch verbessern konnte.

Oft saßen meine Gasteltern und ich bei einem „Cafecito“ (Kaffee) zusammen oder die unzähligen Verwandten kamen vorbei, um eine gemütliche Runde am Lagerfeuer mit selbstgebranntem Zuckerrohrschnaps und viel „Chismio“ (Klatsch & Tratsch) abzuhalten.

Die Ticos sind nämlich sehr familienorientiert, dabei immer tiefenentspannt und zumindest meine Gastfamilie hat mich herzlich als eine von ihnen aufgenommen, auch heute noch stehen wir in regem Kontakt.

Den Kindern Flügel geben – mein Projekt

Das Sozialprojekt, in dem ich eingesetzt wurde, heißt „Forjando Alas“ (dies bedeutet übersetzt so viel wie: Flügel geben), und ist eine Art kostenlose Nachmittagsbetreuung für Kinder von 5 bis 14 Jahren.

Aus vielen Gründen ist gerade diese Tätigkeit in Uvita sinnvoll. Zum einen endet der Schulunterricht – wenn er ausnahmsweise einmal nicht ausfällt- meist schon gegen Mittag. Die (berufstätigen) Eltern kommen jedoch erst sehr viel später von ihrer Arbeit zurück und können sich keine private Betreuung für die Kinder leisten, eine schulische gibt es nicht.

Zum anderen gibt es auch durchaus in einem auf den ersten Blick so heil wirkenden Ort wie Uvita Kinder, deren Eltern schlicht nicht in der Lage sind, nach Schulschluss für ihre Kinder zu sorgen. Privatprostitution und Alkoholmissbrauch seitens der Eltern sind leider ein relativ großes Thema.

Darüber hinaus gibt es in dem kleinen Dorf keinerlei Freizeitangebote für Kinder, wie wir es aus Deutschland kennen. Weder Sport-noch Musikvereine oder Spielplätze sind vorhanden. All dies führt dazu, dass viele Kinder ihre Nachmittage sinnlos umherstreifend auf den Straßen verbringen. Auch ich habe Kinder kennengelernt, die deshalb schon ernsthafte Drogen- und Missbrauchserlebnisse erfahren mussten.

Um dem entgegenzuwirken gibt es „Forjando Alas“, das an fünf Tagen die Woche von etwa halb eins bis fünf Uhr geöffnet ist. Jeden Tag bin ich vorbei an einem rauschenden Fluss, über holprige Straßen und an Bananenbäumen entlang zu meinem Projekt gelaufen. Meistens haben vor der Tür schon sehnsüchtig die Kinder gewartet oder sind mir freudestrahlend entgegengelaufen.

Je nachdem wie viele Kinder da waren (meistens waren es zwischen 8 und 18), haben wir Betreuerinnen dann mit den Kindern verschiedenste Aktivitäten veranstaltet.

So haben wir:

  • eine große Schatzsuche durch den gesamten Ort organisiert,
  • viel gebastelt,
  • häufig zusammen Sport getrieben,
  • (Vor)lesestunden abgehalten,
  • sind toben gegangen,
  • haben Tänze einstudiert,
  • Brettspiele gespielt,
  • Müllsammel-Aktionen gestartet,
  • gekocht und gebacken
  • oder auch einfach nur mit den Kids gekuschelt (um nur ein paar Beispiele zu nennen).

Helfen auch abseits des Projekts

Bald waren mir aber die 3 Stunden am Nachmittag, die ich beschäftigt war, viel zu wenig, und ich habe angefangen, einem epilepsiekranken Mädchen, das aufgrund der Krankheit seit Jahren keine Schule mehr besucht hatte, vormittags ein wenig Unterricht zu geben.

Mit der Zeit hörten davon immer mehr Kinder. So hielt ich bald jeden Vormittag für das oben erwähnte Mädchen und 3 bis 5 weitere Kinder von etwa 09:30 bis 12:00 Unterricht in Fächern wie Geographie, Geschichte, Mathematik und Biologie ab.

Auch nach dem offiziellen Ende von Forjando Alas bin ich oft länger geblieben, um noch eine Stunde Nachhilfe mit solchen Kindern, die in spezifischen Fächern große Probleme hatten, zu machen. Darüber hinaus habe ich verschiedene Eigenprojekte in die Wege geleitet und umgesetzt.

So konnte ich zum Beispiel den -als ich ankam völlig verwilderten Sumpf hinter dem kleinen Gebäude von „Forjando Alas“ – zu einer großen Spielfläche umgestalten. Dort habe ich auch gemeinsam mit den Kindern:

  • aus alten Autoreifen einen Barfußpfad errichtet,
  • ein Kräuter-und Gemüsebeet angelegt,
  • einen Komposter gebaut und zwei Schaukeln, die bald zum Highlight für die Kids wurden, errichtet.

Ein weiteres Highlight war der von mir organisierte Tagesausflug in einen Vergnügungspark in San José: für viele Kinder war es der erste Besuch eines solchen Parks und sie waren das erste Mal außerhalb ihres Dorfes unterwegs.

Die vielen müden, aber freudestrahlenden Gesichter am Ende dieses Tages werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Genauso wie die große Dankbarkeit, die mir die Familie eines Jungen aus meinem Projekt entgegenbrachte, die bis dato zu viert auf einer durchgelegenen Matratze auf dem Boden ihrer Hütte geschlafen hatte. Dieser Familie hatte ich eine neue Matratze organisieren können.

Dadurch, dass es in meinem Projekt nämlich relativ wenige Kinder gab, hatte ich zu jedem Einzelnen eine ganz persönliche Beziehung. Ich wurde von ihren Familien zu Reis & Bohnen (DEM Nationalgericht) eingeladen und habe auch außerhalb meiner eigentlichen Arbeitszeiten gerne Zeit mit ihnen verbracht.

Freizeit auf costa-ricanisch

Ansonsten haben meine Mitvolontärin Annika, die heute eine sehr gute Freundin ist, und ich unsere Freizeit dazu genutzt, um das wunderschöne Costa Rica zu bereisen. Um es kurz zusammenzufassen:

  • Ich durfte einen Tag mit Indianern im Dschungel verbringen,
  • konnte in Nationalparks Tukane, Faultiere und Äffchen beobachten,
  • bin an Stahlseilen hängend durch den Regenwald gerutscht.
  • ich bestieg den höchsten Berg des Landes,
  • bin den blausten Fluss der Welt entlanggewandert,
  • trank aus frischen Kokosnüssen an karibischen Traumstränden
  • und besuchte den Vulkan Poás.
  • Zusätzlich lernte ich surfen im Pazifik,
  • streifte durch dichten Dschungel und ganz nebenbei verliebte ich mich in diese atemberaubende Landschaft.

In Costa Rica wimmelt es von grünen Wäldern, bunten Blumen, Traumstränden und wilden Wasserfällen. Man kann sich dieser Natur gar nicht entziehen.

Schwerer Abschied nach 3 aufregenden Monaten

Viel zu schnell ging meine Zeit in Costa Rica vorbei. Als ich nach der Abschiedsfeier mit meiner Familie und den Kindern aus dem Projekt dann wirklich im Flugzeug saß, kullerten tatsächlich die Tränen.

Es waren wohl die erlebnisreichsten, aufregendsten und interessantesten Monate meines Lebens, die ich in Costa Rica erleben durfte. Ich stolz darauf, was ich in nur 3 Monaten alles erreichen konnte. Auch in dieser kurzen Zeit habe ich die exotische und faszinierende Natur, meine Gastfamilie und besonders jedes einzelne Kind aus meinem Projekt sehr in mein Herz schließen können.

Ich bin dankbar für diese einmalige Zeit in diesem faszinierenden Land und hoffe nur, dass es kein einmaliger Aufenthalt dort war. Irgendwann möchte ich noch einmal zurückreisen.

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Über den Autor ()

Jana Kucharczyk bekam schon seit früher Kindheit ein Gefühl für die unterschiedlichen Länder und Kulturen dieser Welt. Bereits ab 5 Jahren durfte sie internationale Geschäftsreisen ihres Vaters begleiten und erhielt so ganz persönliche Einblicke in die Besonderheiten jedes Landes. Im Laufe der Jahre konnte sie mit ihrer Familie schon Namibia, Südafrika, Kanada und viele Länder Europas bereisen und hat mittlerweile selbst eine lange Reiseliste. Da Jana kurze Urlaube nicht ausreichen um all die Länder und Kulturen richtig kennenzulernen, wagt sie zusammen mit ihrem Freund jetzt den Schritt in ein ortsunabhängiges Leben.

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