Die richtige Freiwilligenarbeit Volunteering-Tipps von Isabel Dwinger | Teil 3 von 10

| 11. November 2016 | 0 Kommentare

Mach dir klar, was du kannst!

An allererster Stelle auf McKeons unangenehmer Wahrheitsliste steht die Tatsache, dass ein Volontär Skills mitbringen muss. Nach McKeon geht es hierbei aber nicht mehr um die eben thematisierten Soft Skills, es geht um Qualifikation. Das heißt zum Beispiel, wer gerne Zeit mit Kindern verbringt, ist nach ihrer Ansicht aber noch lange nicht dafür qualifiziert. Aber auch dieser Appell muss differenziert betrachtet werden.

Eine Frau leistet ihren freiwilligendienst in einer Schule in Tansania

In ihrem Beispiel ging es um einen zwölf-monatigen Aufenthalt in einem Waisenhaus. Sie hatte eine leitende Position. Eines Nachts bedrohte ein Junge ein Mädchen mit einem Messer und nötigte sie. Hier merkte McKeon, dass sie aufgrund der mangelnden Qualifizierung einfach nicht wusste, was zu tun war. Sie fragte sich, warum sie für ein solches verantwortungsvolles Projekt eingesetzt wurde. In Deutschland gebe es das auch nicht, dass unqualifizierte Menschen professionelle, pädagogische Verantwortung übertragen bekommen.

In ihrem Falle ist es sicher richtig, dass eine Qualifizierung notwendig ist, wenn man ein Kinderheim co-leitet. Ich habe aber auch Volontäre kennengelernt, dessen Freiwilligenarbeit darin bestand, in Costa Rica jungen Schülern Englisch beizubringen, damit sie auf dem globalen Markt eine Chance haben. Oder die eine Nachmittagsbetreuung von Schülern anboten. Sie erhielten von den professionellen Lehrern, die die Hauptverantwortung trugen, genaue Einweisungen über zu vermittelnde Inhalte. Somit lässt sich in diesem Falle sagen: Ja, auch hier braucht der Volontär Skills, nämlich Englischkenntnisse, bzw. Ideenreichtum, wie man mit Kindern spielt. Aber nicht unbedingt eine abgeschlossene Ausbildung.

Ein anderes Beispiel sind Katastrophengebiete. Nach den schweren Erdbeben in Haiti oder Nepal beispielsweise wollten viele Menschen in die Regionen reisen und beim Wiederaufbau helfen. Dabei gibt es einerseits Arbeiten, für die man medizinisches oder handwerkliches Know-How braucht, aber auch solche, in die man auch als ungelernte Kraft schnell eingearbeitet werden kann. Kritisiert wird zurecht, wenn Ungelernte Wunden pflegen oder Medikamente verteilen. Unproblematisch ist es aber, internationalen Hilfsgüter zu verteilen.

Ich empfehle daher, angepasst an deine persönlichen Fähigkeiten und Skills das Projekt auszuwählen. Mach dir klar, was du leisten kannst! Denn eines ist Fakt: Irgendwelche Skills werden immer benötigt. Diese unterscheiden sich aber stark je nach Projekt. Irgendwelche Skills hat aber jeder Mensch, so dass auch ein ungelernter Abiturient einen sinnvollen Freiwilligendienst absolvieren kann. Mit zunehmender Verantwortung steigt logischerweise aber die Notwendigkeit einer adäquaten Qualifizierung.

 

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Kategorie: Allgemein, Interkulturalität, Tipps, Voluntourismus

Isabel Dwinger

Über den Autor ()

Reisen? Das geht immer für Isabel Dwinger! Ob Work and Travel in Australien, Freiwilligenarbeit in Costa Rica, ein Praktikum in Spanien oder aber verschiedene Projekte wie die Bachelorarbeit in Ecuador oder eine Exkursion nach Madagaskar im Rahmen ihres Geographie-Studiums; in jeder Lebenssituation findet sie Wege ins Ausland. Darüber hinaus wirft sie auch gerne von zu Hause aus (kritische) Blicke auf derartige Aufenthalte und teilt ihre Erfahrungen am liebsten mit der Öffentlichkeit. Daher ist sie schon seit vielen Jahren Autorin für die Initiative Auslandszeit.

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