„Ich hatte so eine großartige Zeit als Freiwilliger“

| 16. November 2016 | 1 Kommentar

James Whittington war von Oktober bis November 2013 drei Wochen Teil des Cloud Forest Adventures, er hat als Freiwilliger auf einer Farm gearbeitet hat und hat für uns seine Erfahrungen aufgeschrieben.

ecuador cloud forest adventure sonnenuntergang

Sonnenuntergang über dem Nebelwald

“Ich hatte so eine großartige Zeit, als ich als Freiwilliger bei Ned war, dass ich nicht weiß, ob ich in der Lage bin, dem Aufenthalt gerecht zu werden, wenn ich ihn in Worte fasse. Das war auf jeden Fall der Höhepunkt meiner Reise bisher, obwohl ich gerade erst ein paar unglaubliche Wochen auf den Galapagos Inseln verbracht habe. Es war eine unglaubliche Erfahrung, an dieser Art zu leben, teilzuhaben und auch das Gefühl zu haben, etwas beitragen zu können. Ned inspiriert einen auf eine Art und Weise, die man nicht erwarten würde. Dadurch, dass er einen Lebensstil verfolgt, der ihn glücklich macht, der aber gleichzeitig auch ethische Prinzipien verfolgt und nachhaltig ist, er hat mich dazu inspiriert, meine Träume zu verfolgen, nachdem ich von meiner Reise nach Hause kam!

“Ich wollte etwas Lohnenswertes finden”

Als ich mein Jahr um die Welt geplant habe, habe ich realisiert, dass ich drei Wochen zur freien Verfügung in Ecuador hatte. Für diese drei Wochen wollte ich etwas Lohnenswertes finden, da kam mir die Idee mit der Freiwilligenarbeit im Nebelwald. I habe ein wenig Zeit damit verbracht, die die Möglichkeiten in Ecuador und Südamerika zu recherchieren. Dabei habe ich realisiert, dass ich keineswegs ein Vermögen für Freiwilligenarbeit ausgeben wollte und das Geld geht dann an westliche Organisationen. Das fühlte sich nicht richtig an. Darum habe ich eine neue Recherche gestartet, mit dem Ergebnis, dass ich auf die Seite www.cloudforestadventure.com gestoßen bin. Je mehr ich darüber gelesen habe, desto mehr wusste ich, dass ich meine drei Wochen dort verbringen wollte.

Abenteuerliche Fahrt zur Farm

Ich habe in Quito bei Chari und Felix, Freunden von Ned übernachtet, bevor ich mich zu Neds Farm aufgemacht habe. Die beiden waren wirklich wunderbare Gastgeber, sie wussten viel über die Stadt zu erzählen und haben mir genaue Anweisungen gegeben, wie ich zu Neds Farm komme. Ich wollte die Fahrt eigentlich in einem Tag schaffen, aber die Anschlusszeiten der verschiedenen Verkehrsmittel machen dies unmöglich. Ich habe den zweistündigen Bus von Quitos Nord-Terminal nach Otavalo genommen, die Busse verkehren alle 20 bis 30 Minuten. Es war noch so früh am Morgen, dass ich genügend Zeit hatte, mir ein Ticket für den 1-Uhr-Bus nach Cuellaje zu kaufen, das Dorf, das am nächsten zur Farm liegt. Normalerweise fährt der Bus nur einmal am Tag dorthin, Ausnahmen sind Freitag und Samstag, da gibt es zwei Fahrten pro Tag. Ich kam in Cuellaje nach einem ziemlich haarigen Ritt durch die Serpentinen, die fast alle nicht asphaltiert sind, in dickem Nebel um fünf Uhr abends an. Ich habe in das örtliche Hotel eingecheckt, was von der Ausstattung solide, aber nett war und nur acht Dollar die Nacht gekostet hat. Meine Absicht war es, am nächsten Morgen in aller Frühe den Milchwagen zu Neds Land zu nehmen, um die letzten 15 Kilometer zu überbrücken., allerdings fuhr dieser an diesem Tag nicht. Nach einigen Telefonaten mit Ned hatte dieser einen Nachbar gebeten, mich mitzunehmen. Während meiner Zeit in dem Dorf traf ich noch auf eine weitere Volontärin, eine Deutsch-Amerikanerin namens Sandy, die mich herumführte, mir zeigte, wo es Internet gibt und mir meine vielen Fragen beantwortete.

Flexibilät wird groß geschrieben

Sollte ich noch mal zu Ned reisen, würde an einem Samstag in Otavalo anreisen, die Nacht dort verbringen, den großartigen Wochenmarkt mitnehmen und den frühen Bus am Sonntagmorgen nehmen. Am Sonntag kommt Ned normalerweise ins Dorf, somit hätte ich ihn dort treffen und mit ihm zurückgehen können. So kam es aber anders, und ich hatte einen frühen Start am anderen Morgen, als ich Ned das erste Mal traf und meine Sachen in seinem Haus deponierte. Nach einem reichhaltigen Frühstück und einem kurzen Gespräch gingen wir direkt zur Arbeit über: Wir holten Holz, das wir später zum Bauen auf  der Farm benötigten. Während wir arbeiteten, erklärte mir Ned, wie das Programm funktioniert. Ich würde ein paar Tage auf seiner Farm bleiben, um mich einzugewöhnen, um dann zu entscheiden, was ich machen wollte. Es gab keinen Vertrag, keinen Mindestaufenthalt und ich konnte gehen oder so lange bleiben, wie es mir gefiel. Die Flexibilät hörte sich großartig an. Es gab die Möglichkeit, auf einer Farm zu arbeiten, in lokalen Schulen oder als ökologischer Fremdenführer zu arbeiten, oder eine Kombination aus allem zu machen, während man bei einer lokalen Familie übernachtete.

Ich habe mich noch nie so willkommen gefühlt

Nachdem die Aufgabe abgeschlossen war, sind wir zurück zu Neds Farm, wo ich zum ersten Mal Neds Frau Patricia getroffen habe. Sie hat mich willkommen geheißen wie ein alter Freund und hat sich sofort um mich gekümmert, mir etwas zu essen und zu trinken angeboten. Ich habe mich noch nie so willkommen gefühlt. Ned hat mir mein rustikales, aber sehr gemütliches Haus gezeigt. Ich war der einzige Volontär, deswegen hatte ich es für mich allen, aber es können bis zu vier Personen dort schlafen.

Rein organische Farm

Nach einer sehr reichhaltigen und leckeren Mahlzeit kehrten wir an die Arbeit zurück und Ned führte mich herum und zeigte mir sein Land. Er führt eine rein organische Farm, mit hauptsächlich Nutzpflanzen und Kühen, aber es gibt auch Hühner, Schweine und Kaninchen. Zudem werden zahlreiche Gemüsesorten und Kräuter in den eigenen Gärten angebaut, an jeder Ecke wachsen Obstbäume mit den größten Limonen, die ich je gesehen habe.

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Blick über den Wald

Es regnet fast jeden Nachmittag

Es ist schwierig, einen typischen Tag auf der Tag zu beschreiben. Denn jeden Tag gibt es neue Herausforderungen und Aufgaben. Eine Konstante war, dass es auf dieser Höhe von 2400 Metern fast jeden Nachmittag regnet – mein erster Tag war keine Ausnahme. Ich fand es sehr erfrischend und es war cool, zuerst über die Wolken sehen zu können und dann mittendrin zu sein. Die Arbeit ist um sechs Uhr abends zuende, wenn es so langsam dunkel wird. Dann ist es Zeit für ein weiteres leckeres Essen, das Patricia zubereitet hat. Nach dem Abendessen hat jeder Freizeit. Ned und Patricia sind hervorragende Gastgeber, die es lieben, Gesellschaft zu haben. Entweder schaut man zusammen DVD oder quatscht ein wenig. Ned kommt aus England, aber spricht auch fließend Spanisch. Er freut sich, beide Sprachen zu sprechen, je nach Gusto. Patricia kann nur Spanisch sprechen und ist sehr geduldig. Für mich war das eine gute Gelegenheit, mein Spanisch aufzupolieren, ich habe in den drei Wochen größere Fortschritte gemacht als in den vorangegangenen drei Monaten. Eine Alternative ist es, sich in sein Zimmer zurückzuziehen, zu lesen, zu schreiben oder früh schlafen zu gehen.

Um acht Uhr im Bett

In meiner ersten Nacht war ich um acht Uhr im Bett und bin kurz darauf eingeschlafen. Die Zeit ist typisch, denn der Tag fängt früh an, sobald die Sonne aufgeht. Ich habe festgestellt, dass ich nach einem Arbeitstag – der erste mit handwerklicher Arbeit nach unzähligen Jahren – sehr müde, aber auch sehr zufrieden war.

Ein Gefühl von Zufriedenheit wie nie zuvor

Mein ursprünglicher Plan war es, eine Woche Farmarbeit zu machen, danach eine Woche als Englischlehrer zu arbeiten und zuletzt eine Woche als Öko-Tourist dranzuhängen. Sehr bald haben Ned und ich allerdings gemerkt, dass mein Spanisch nicht ausreichte, um als Lehrer auszuhelfen und auch nicht, um bei einer Spanisch-sprachigen Familie zu leben. Daher fasste ich den Entschluss, die kompletten drei Wochen bei Ned und Patricia zu bleiben. Das war eine großartige Entscheidung. Es gab viel handwerkliche und schwere Arbeit zu erledigen, und die Höhe machte mir in den ersten Tagen zu schaffen, genauso wie die vielen Steigungen, die ich Tag für Tag bewältigen musste, so dass ich jeden Abend erschöpft mit der einen oder anderen Blase in mein Bett sank. Aber ich hatte ein Gefühl von Zufriedenheit, persönlichem Triumph und Selbstwertschätzung wie ich es niemals in meinem Büro in sieben Jahren gehabt habe. Die Aufgaben war sehr leicht, aber jeden Tag gab es etwas Neues zu lernen, oder man musste längst vergessene Fähigkeiten anwenden, eine positive Einstellung konnte dabei nicht schaden. Ned ist sehr sympathisch, allen Volontären geht es ähnlich und er verlangt von niemandem etwas, was er nicht möchte oder wozu er nicht in der Lage ist. Er wird dich dazu ermutigen, dabei zu helfen, Probleme zu lösen und Aufgaben anzunehmen, von denen du dachtest, dass du nicht in der Lage seist, diese zu lösen. Ich habe beispielsweise eine Reihe von Nistkästen für Hennen mithilfe von Abfallholz und einer Tür gebaut. Ich habe einen Graben ausgehoben und dabei geholfen, draußen einen Wasserhahn anzuschließen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Machete, eine Axt und eine Kettensäge benutzt, unter anderem habe ich mit der Hand ein ganzes Feld abgeholzt sowie einen Korb geflechtet, den ich immer noch auf Reisen mit mir herumtrage, weil ich so stolz darauf bin. Patricia ist die Expertin fürs Korbflechten.

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Haus der Freiwilligen mit Hund Benji

Sonntag kommen alle zusammen

Man tut auch anderen einen Gefallen und arbeitet mit anderen Mitgliedern der Gemeinschaft zusammen. Die anderen, die ich getroofen habe, besonders Patricias Familie, haben mich wie einen sehr willkommenen Gast behandelt. Das Leben in der Gemeinschaft war aber auch eine Erfahrung, die einen demütig werden lässt. Ich habe viel darüber nachgedacht, an welchem Punkt die westliche Gesellschaft und deren Sinn von Gemeinschaft in die falsche Richtung abgedriftet ist.
Sonntag ist ein besonderer Tag in der Gemeinschaft, jeder kommt im Dorf zusammen, spielt Volleyball und isst zusammen Mittag. Es ist zudem die einzige Zeit, in der man das Internet nutzen und einkaufen kann. Viel Arbeit gibt es am Sonntag nicht, daher kann man diesen Tag nutzen, um zu entspannen und nachzudenken.

Großartiger Ausblick

Während meiner Zeit im Nebelwald, gab es neben mir nur eine andere Volontärin, die allerdings bei einer Familie gewohnt hat. Daher gibt es Phasen, in denen man sich ein wenig einsam fühlt. Allerdings ist Ned immer offen dafür, einen Tag frei zu geben, damit man auch einmal die Umgebung erkunden kann. Ich hatte eine schönen Tag bei den heißen Quellen, Patricias Bruder hat mir zudem einen wunderschönen Wasserfall in der Nähe der Farm gezeigt, unter dem wir baden konnten. Ned hat mir auch einen Weg durch den Wald gezeigt, wo wir gleich zwölf Wasserfälle gesehen haben und einen großartigen Ausblick auf die Umgebung auf 2700 Metern Höhe hatten. Von dort konnte man unter anderem auch den Cotopaxi Berg sehen. Am besten waren allerdings die Ausblicke am frühen Morgen, wenn über dem Tal direkt bei der Farm die Sonne aufgeht und abends kann man dort so viele Sterne sehen, dass es Wochen brauchen würde, diese zu zählen.

Hatte das Gefühl, dass ich zur Familie gehöre

Ich habe Patricias Essen wirklich genossen – sie macht ihr eigenes Brot, Marmelade und Käse, sie freut sich auch über eine helfende Hand. Ich hatte auch das Glück, Hühnchen, Schweine und Hasen direkt von der Farm zu kosten. Die Gastfreundschaft war echt überwältigend, Ned und Patricia haben mir das Gefühl gegeben, dass ich zur Familie gehöre. Das hat dazu geführt, dass diese drei Wochen zu einer der besten Erfahrungen in meinem Leben wurden. Ich nehme viele Erinnerungen mit, die ich hoffentlich nie vergesse. Ich würde diese Erfahrung jedem empfehlen, der eine andere Reiserfahrung machen möchte, der sich für diese Art von Leben interessiert und eine positive Lebenseinstellung mitbringt.”

Wer ebenfalls einen Schritt in diese Richtung wagen will, kann sich auf www.ecotouristadventure.wordpress.com oder www.intagtour.com über die Möglichkeiten informieren. Zudem gibt es hier noch einen Bericht.

Kategorie: Allgemein

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Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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  1. Nach fünf im Nebelwald - Freiwilligenarbeit Magazin | 9. April 2018

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