Merazonia: „Wenn nicht jetzt, wann dann?!

| 10. Mai 2015 | 1 Kommentar
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Keine seltene Begegnung auf Merazonia: Treffen mit einem Kapuzineraffen

Susan Krause war als Volontärin in Merazonia und hat damals beim Aufbau der Station mitgeholfen. Was sie damals alles erlebt hat, schildert sie in ihrem Erfahrungsbericht.

“Nach meinem Abi 2001 hatte ich unmittelbar angefangen zu studieren (BWL an der damaligen Berufsakademie (heute DHBW)), und da mir dann gleich eine Stelle angeboten wurde, bin ich nach Abschluss des Studiums direkt ins Berufsleben eingestiegen. Eigentlich wäre ich damals schon gerne für eine gewisse Zeit ins Ausland gegangen, aber das hat sich dann – entgegen meiner Erwartungen beziehungsweise Hoffnungen – während des Studiums nicht realisieren lassen. Im Anschluss daran stand ich ja dann schon im Berufsleben. Als ich mit meiner damaligen Arbeit dann irgendwann nicht mehr glücklich war und ich den Beschluss gefasst hatte, mir eine andere Stelle zu suchen, dachte ich, dass sei nun die Gelegenheit, den bislang nicht realisierten Auslandsaufenthalt endlich nachzuholen. Getreu dem Motto “wenn nicht jetzt, wann dann?!”

Job gekündigt, um den Traum wahr werden zu lassen

Diese Überlegungen reiften eine Weile und Anfang des Jahres 2008 habe ich dann meinen Job gekündigt, um meinen Traum von Weltreise und Volunteer-Arbeit wahr werden zu lassen. Dieser Schritt stieß bei manchen meiner Freunde auf wenig Verständnis (“wie kann man denn einen gut bezahlten, unbefristeten Job einfach so hinschmeißen?!”), aber viele waren begeistert und bewunderten den Mut, den diese Entscheidung erfordert hat. Das war für mich aber alles zweitranging. Für mich war wichtig, ich wollte raus und ich wollte bei der Arbeit endlich wieder das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun und nicht nur irgendwelchen Kram für die Schublade zu produzieren. Daher auch die klare Entscheidung, einen Teil des Jahres, das ich mir vorgenommen hatte, im Ausland zu verbringen, als Volunteer zu arbeiten.

“Wollte Beitrag vor Ort leisten und nicht, dass ich Geld zahle”

Auf Merazonia bin ich dann über diverse Internet-Recherchen gestoßen. Ich wollte – wegen der Sprache – in ein südamerikanisches Land. Außerdem wollte ich gerne etwas im Bereich Umwelt- und Naturschutz machen, wo man richtig mit anpacken kann. Also so etwas wie ein Wiederaufforstungsprojekt, ein Tier-Hilfsprojekt oder etwas in der Art. Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf die Webseite von Merazonia und das Bauchgefühl hat von Anfang an gestimmt.

Mir war es wichtig, keine horrenden Summen an eine Volunteer-Organisation zu zahlen, denn das ist meiner Meinung nach ein großes Problem in diesem Bereich. Schließlich wollte ich meinen Beitrag ja dadurch leisten, dass ich vor Ort mitarbeite und unterstütze und nicht dadurch, dass ich Geld zahle. Sonst hätte ich ja auch einfach eine Geldspende irgendwohin überweisen können, und es gibt leider sehr viele Projekte und Organisationen, bei denen man viel bezahlen muss. Wie viel dann aber tatsächlich bei den eigentlichen Projekten ankommt und was bei der vermittelnden Organisation bleibt, ist oft zweifelhaft. Bei Merazonia war das jedoch nicht der Fall. Es muss lediglich ein Beitrag zur Küchen-Kasse sowie eine Pauschale für Übernachtung gezahlt werden. Und diese Kosten entsprachen dem landestypischen Niveau. Eine Woche in einem Hostel und das nötige Essen hätte mich genau so viel – wenn nicht eher mehr – gekostet, wie der Aufenthalt bei Merazonia. Ein faires Angebot also. Ich habe dann einfach per Mail Kontakt mit Merazonia aufgenommen und angefragt, ob ich im fraglichen Zeitraum (Sommer/Herbst 2008) als Volunteer arbeiten könne und die Antwort lautete “Ja klar”. Und so hatte ich meine Zusage für die erste Station meiner Reise.

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Rote Brüllaffen haben ein besonders flauschiges Fell

Aufbau der Station war vorrangig

Ich war dann das erste Mal für die Monate Juni, Juli, August und den halben September 2008 in Merazonia. Die ersten drei Monate allein, im September kam dann mein Freund nachgereist, der aufgrund seines Berufs (Lehrer) nicht hatte früher starten können. In dieser Zeit ging es hauptsächlich darum, die Station im Dschungel erst einmal aufzubauen. Das heißt Wege anlegen, Gebäude errichten, Käfige bauen,… Wenn beispielsweise das Fundament eines Gebäudes betoniert werden sollte, musste zuerst der Zement in den Dschungel transportiert werden, haufenweise Sand aus dem Fluss geschippt und in Säcken an die erforderliche Stelle geschleppt werden, wo dann Sand, Zement und Wasser von Hand (natürlich mit Hilfe von Schaufeln) zu Beton gemischt wurden. Sehr anstrengend und aufwändig. Und kein Vergleich dazu, wenn auf einer deutschen Baustelle einfach mal kurz der Betonmischer anrückt, den fertigen Beton ablässt und dann wieder weg fährt.

Reinigung der Käfige nimmt viel Zeit in Anspruch

Zu betreuende Tiere gab es zu Beginn dieser Einsatzzeit noch keine, mal abgesehen von den Hunden und der Katze von Frank. Erst gegen Ende dieser ersten Phase kamen dann die ersten Schützlinge in die Station, hauptsächlich Vögel. Dadurch hat sich natürlich auch die Arbeit geändert. Es musste Futter besorgt und zubereitet werden, die Vögel mussten gefüttert werden. Und vor allem – und das blenden viele gerne aus – verbringt man sehr viel Zeit damit, Käfige zu reinigen. Außerdem geben dann die Tiere den Arbeitsrhythmus vor. Auch freie Wochenenden sind nicht mehr drin. Solange “nur” gebaut wurde, waren Samstag und Sonntag selbstverständlich frei. Aber sobald die Tiere da waren, musste deren Versorgung selbstverständlich auch am Wochenende gewährleistet sein. Also nichts mit Wochenenden in Banos und ausschlafen und so weiter, sondern business as usual.

Viele Volontäre aus Großbritannien

Die meisten Volunteers, sowohl während meines ersten als auch während meines zweiten Aufenthalts bei Merazonia, kamen aus Großbritannien (insbesondere England) und Kanada. Dort ist es weitaus üblicher, mal seinen Job zu kündigen, sich eine Auszeit zu nehmen und auf Reisen zu gehen (gute Einstellung!). Daneben gab es noch einzelne Volunteers aus Australien, Holland, Deutschland und den USA. Die Konversation in der Station lief also vorwiegend auf Englisch. Nur mit Guido wurde Spanisch gesprochen.“

Wer sich für Freiwilligenarbeit auf Merazonia interessiert, bekommt auf http://www.merazonia.org/ mehr Infos, zudem findet ihr hier noch ein Interview und hier einen Bericht.

Kategorie: Allgemein

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Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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