Freiwilligendienst im Kloster | Nepal Jonathan Karcz hat junge Mönche im Himalaya unterrichtet

| 9. März 2015
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Die Mönche führen ein einfaches Leben und sind trotzdem glücklich – für Jonathan Karcz eine einschneidende Erfahrung

Der 27-jährige Mexikaner Jonathan Karcz hat Indien, Thailand, Indonesien, Tibet, China und Japan während seiner viermonatigen Auszeit gesehen. Am meisten berührt hat ihn aber sein fünfwöchiger Aufenthalt im Himalaya in Nepal, wo er unterhalb des Mount Everest Basecamps heranwachsende Mönche von 7 bis 16 Jahren im Kloster Pema Choling in Englisch unterrichtet hat.

Kloster auf Trekkingroute zum Mount Everest Basecamp

Das Kloster liegt auf der Trekkingroute hinauf zum Basecamp, rund 40 Minuten der kleinen Stadt Phakding entfernt. Der Weg dorthin ist beschwerlich, um überhaupt nach Pema Choling zu gelangen, muss man zuallererst einen sehr steilen Hügel erklimmen. Eine gewisse körperliche Fitness ist als Volunteer da schon eine Grundvoraussetzung. Da kam es Jonathan natürlich gelegen, dass er regelmäßig Work-out macht und aufgrund seiner Heimatstadt Mexiko City auch keine Anpassungsschwierigkeiten bei der Höhe hatte.

Tür zu einer anderen Welt

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Das Kloster Pema Choling verfügt über eine traumhafte Aussicht auf das Himalya-Gebirge

Einmal im Kloster angekommen, öffnete sich für den 27-Jährigen ein Tor zu einer völlig anderen Welt. Die zu unterrichtenden Kinder stammen allesamt aus ärmlichen Verhältnissen und auch im Kloster ist es alles andere als luxuriös: „Es gibt nur kaltes Wasser, Plumpsklos, nur wenig Strom, geduscht werden kann nur mittags und geheizt wird mit Holz, das wieder vor der Tür gehackt werden muss. Seit ein paar Monaten gibt es vor Ort auch einen Röhrenbildschirm, mit dem Satellitenfernsehen empfangen werden kann – seitdem sind die Mönche große Fans von US-amerikanischem Wrestling. „Die Mönche leben so – bis auf den TV, als hätte man die Zeit ein paar Jahrhunderte lang zurück gedreht. Sie brauchen nur wenig zum Leben, was einen selbst zum Nachdenken bringt“, erklärt Karcz, der nach seinem Aufenthalt in dem nepalesischen Kloster viele Dinge nun viel mehr wertschätzt und hofft, dass dieses Gefühl möglichst lange anhält. Allein deshalb würde er jedem empfehlen, mindestens einmal im Leben Freiwilligenarbeit zu machen.

Schüler schnell ins Herz geschlossen

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Karcz und seine Schüler in der Küche, wo mit Holz gekocht wird – weiter oben in den Bergen mit Yakmist.

Unter anderen Umständen aufgewachsen, hat er sich schnell an die einfachen Verhältnisse gewohnt. Leicht gemacht haben ihm dies auch seine Schüler, die er schnell ins Herz geschlossen hat. „Das sind zwar alles Mönche, die gewisse Vorschriften zu folgen haben, aber gleichzeitig auch Kinder, die sich mal daneben benehmen“, so Karcz. Für die Mönche gibt es einen strikten Tagesablauf, sie starten morgens mit einem Puja (Gebet). Die Teilnahme ist für die Volontäre freiwillig, aber auch deren Tagesplan ist ansonsten ziemlich durchstrukturiert und an die örtlichen Bedingungen und Witterungsverhältnisse angepasst. Zusammen mit Jonathan war nur noch ein weiterer türkischer Volontär gleichen Alters vor Ort, so dass der Mexikaner zeitweise für bis zu drei Klassen verantwortlich war: Die erste Klasse war von 9 bis 11 Uhr, die zweite von 13 bis 15 Uhr. „Du musst dich den Gegebenheiten anpassen, die einzige Zeit zum Duschen ist zwischen 11 und 13 Uhr. Dafür muss allerdings die Sonne scheinen, sonst ist es viel zu kalt, zudem gibt es um 12 Uhr Mittagessen“, schildert Jonathan die tägliche Routine im Kloster. Nach der Klasse gibt es für alle noch einmal den traditionellen Yak-Butter-Tee, gegen 17.30 Uhr wird es dann schon dunkel und um 18 Uhr steht das Abendbrot an. „Um 20 Uhr gehen alle schlafen, das heißt, du hast nur wenig Zeit, um zu lesen oder andere Dinge zu machen“, so Jonathan weiter. Zeit, um ein wenig Trekking zu machen war dann allerdings schon – denn während einer fünftägigen Zeremonie im Kloster fanden keine Klassen statt, somit hatten Jonathan und sein türkisches Pendant die Möglichkeit, das Mount Everest Basecamp zu erkunden.

Dezember keine gute Wahl, Sommer eignet sich am besten

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Das Kloster liegt an der Trekkingroute zum Mount Everest Basecamp, die beste Zeit, es zu besuchen, ist im Sommer

Obwohl der gebürtige US-Amerikaner aus einem ganz anderen Bereich kommt – er hat vor seinem Trip bei einer großen Firma als „Strategic Consultant“ gearbeitet – fiel ihm das Unterrichten von Kindern nicht schwer. „Das hing natürlich auch ein wenig von der jeweiligen Klasse ab. Die Fortgeschrittenen waren etwas eifriger beim Lernen, dagegen waren die Kleinen super süß, hatten manchmal aber einfach keine Lust auf Hausaufgaben oder Lernen generell“, sagt Jonathan, der natürlich den Vorteil hatte, Muttersprachler zu sein und in seiner College-Zeit zumindest schon einmal Nachhilfe gegeben hat: „Ich hatte also ein wenig Erfahrung auf diesem Gebiet, aber Kinder zu unterrichten, ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Dort muss man schon gewisse Grundregeln festlegen, sonst herrscht Anarchie im Klassenzimmer.“ Apropos Klassenzimmer – diese waren an manchen Tagen so kalt, dass der Mexikaner mit seinen Kindern zum Unterrichten nach draußen gegangen ist, weil es dort in der Sonne wärmer war als drinnen. „Die Bedingungen sind also schon nicht ohne. Bei mir kam hinzu, dass ich die smarte Idee hatte, im Dezember, einem der kältesten Monate überhaupt, dorthin zu gehen“, sagt Jonathan. Noch kälter ist es nur noch im Januar und Februar – dann gibt es dort kältefrei für die kleinen Mönche, die dann nach Hause zu ihren Familien gehen und erst im März wieder zurückkehren.

Neuen Spirit für künftige Projekte mitnehmen

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Auch das Taj Mahal stand auf Jonathans Reiseroute, am meisten beeindruckt hat ihn aber seine Arbeit im Kloster

Auch wenn Jonathan beinahe täglich gefroren hat – sein Schlafgemach war obendrein noch ziemlich zugig – möchte er die Zeit nicht missen, haben die gemachten Erfahrungen in Pema Choling doch so viel Sonne in sein Herz gebracht. Wieder daheim im sonnigen Mexiko beeinflusst dies auch seine Zukunft, in seinen vorherigen Job möchte er nicht mehr zurück, sondern stattdessen etwas von dem neuen Spirit für künftige Projekte mitnehmen. In welche Richtung es gehen soll, weiß er noch nicht, befindet sich noch in der Findungsphase. Was für ihn aber bereits feststeht, ist, dass er irgendwann ins Kloster Pema Choling zurückkehren, sich aber auch in anderen Freiwilligkeitsarbeits-Projekten auf dem Globus engagieren möchte. Die Zeit im Himalaya hat sein Leben verändert und es zum Teil auf den Kopf gestellt: Vieles, was zuvor wichtig oder notwendig erschien, ist es nun nicht mehr: „Ich wusste vorher nicht, was mich beim Volunteering erwartet, aber es war eines der besten Sachen, die ich jemals gemacht habe“, so Jonathan, der dort vor allem gelernt hat, die einfachen Dinge im Leben zu schätzen. Dennoch hat er sich nach seiner Ankunft erst einmal eine heiße Dusche gegönnt und sich insbesondere über die Toilette mit Spülung gefreut.

Direkter Kontakt möglich:

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Mittendrin statt nur dabei – Jonathan und seine neuen Freunde, die Mönche

Jonathan hat seinen Freiwilligenaufenthalt über eine Agentur im Internet gebucht, würde aber jedem empfehlen, den direkten Kontakt zum Kloster Pema Choling in der Region Solokhumbu, unweit der Stadt Phakding zu suchen. Dieser ist via Facebook möglich. Da der oberste Mönch nicht permanent online ist, kann es allerdings ein Weilchen dauern, bis eine Antwort kommt:

>> Kloster Pema Choling bei Facebook

>> Kontakt zu Mönch Nawangla Lama  oder telefonisch unter 9818521586

P.S.: Wer als Volontär im Kloster Pema Choling mithelfen möchte, muss also schon ein wenig abenteuerlustig sein – nicht zuletzt, weil der nächste Flughafen in Lukla als gefährlichster Airport der Welt gilt.

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Kategorie: Allgemein, Im Focus, Projekte weltweit

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Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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