Majas Volunteering-Erfahrung beim Tierschutz in Costa Rica

Papagei im Tierschutz-Projekt in Costa Rica

,,Meine erste und einzige Begegnung mit einer ausgewachsenen Olive Ridley Schildkröte bei einer der Nachtwanderungen am Strand war auf jeden Fall ein Highlight.”

Anreise und Ankunft im Projekt

Ich reiste ganz bequem mit einem Direktflug von Frankfurt nach San José zur Freiwilligenarbeit. Über diesen Flug freute ich mich sehr, da ich so ganz in Ruhe in den Flieger steigen konnte ohne Stress und Gedanken ums Umsteigen.

Alberto, der Ansprechpartner für alle Volunteers vor Ort, hieß mich am Flughafen in San José willkommen. Anschließend brachte er mich zum Volunteerhouse und ich konnte meinen Jetlag in einem gemütlichen Einzelzimmer ausschlafen. Auf nach Ojachal machten wir uns am nächsten Tag. Die vier-stündige Fahrt verging aber dank der lustigen Gespräche mit Alberto und den spektakulären Aussichten ganz schnell. Vor Ort im Reservat begrüßten mich die anderen Freiwilligen und Mitarbeiter herzlich und zeigten mir alles wichtige.

Orientierungsprogramm

Bei einem Online-Meeting vor meiner Reise lernte ich den Umgang mit fremden Kulturen und wie man sich respektvoll als Gast verhält. Sehr hilfreich war auch der Austausch mit den anderen Freiwilligen. In Gruppengesprächen und bei kleinen Aufgaben gewannen wir neue Perspektiven auf die Themen. Es war bereichernd, sich mit Volunteers zu unterhalten, die in verschiedene Projekte und Orte reisten. Jedoch war es dadurch schwieriger spezifisch, auf die eigene Reise bezogene Fragen zu stellen. Denn in meiner Gruppe reiste kein anderer Teilnehmer nach Süd- oder Mittelamerika. 

Aufgabenbereiche

Meine Tätigkeiten waren sehr abwechslungsreich. Ich war als Volunteer in der Hauptsaison der Schildkröten vor Ort, denn mein Aufenthalt startete Mitte Oktober. Das Ziel meiner Aufgaben in den ersten zwei Monaten war daher der Schutz der Schildkröten. Zum Beispiel war ich bei nächtlichen, drei-stündigen Wanderungen am Strand Playa Tortuga dabei. Dabei hielten wir Ausschau nach den Nestern der Schildkröten. Gleichzeitig sollte es eine Abschreckung für Nestdiebe sein. In Costa Rica gelten die Eier der Schildkröten als Köstlichkeit, daher versuchen Einheimische an die Nester illegal zu kommen, um die Eier verkaufen zu können.

Ich genoss das Meeresrauschen nachts, obwohl die Wanderungen auch anstrengend waren. Besonders einzigartig war es, als ich eine ausgewachsene Schildkröte sah und ihr Nest finden sollte. Fand man das Nest, buddelten wir es aus und nahmen es zum Reservat mit. Zum Schutz der Babys und zur Nester-Überwachung gruben wir die gefundenen Nester in der Hatchery ein. Das regelmäßige Überprüfen der Hatchery gehörte zu meinen festen Aufgaben als Volunteer. Sobald ein Schildkrötennest geschlüpft war, lag es in unserer Verantwortung, die kleinen Schildkröten zu zählen, zu wiegen und zu vermessen. Anschließend haben wir sie vorsichtig an genau dem Strand freigelassen, an dem das Nest ursprünglich entdeckt wurde.

Schildkröten am Strand von Costa Rica

Dieser Moment war für mich jedes Mal aufs Neue ein unvergessliches Erlebnis und definitiv ein Highlight meiner Freiwilligenarbeit mit Meeresschildkröten. Neben dem Schildkrötenschutz habe ich während meines Volunteer-Einsatzes auch viele weitere spannende Aufgaben übernommen. Dazu gehörten unter anderem die Beobachtung von Affen und Fledermäusen, Einsätze im Schmetterlingsgarten sowie Reptilienwanderungen.

Später in meinem Volunteering durfte ich auch Aufgaben für andere Reptilien, wie Kaimane, Krokodile und Schlangen, übernehmen. Diese Tiere suchten und beobachteten wir auf Nachtwanderungen durch den Dschungel. Fand man Kaimane oder Krokodile, sollte man sie fangen, um sie zu messen und zu markieren. Der Grund für den Fokuswechsel war, dass die Schildkrötenzeit vorbei ging und somit weniger neue Nester gelegt wurden.

Grundsätzlich wurden die Tätigkeiten für alle Freiwilligen für die kommende Woche am Sonntag festgelegt. Einen Überblick konnte man sich am Board im Gemeinschaftsraum verschaffen. Die Aufgaben waren immer über den Tag verteilt und jeder hatte immer einen abwechslungsreichen Tagesablauf und es wurde nie langweilig.

Wohnen

Als Langzeit-Freiwillige schlief ich drei Monate lang in einem extra Zimmer. Es war gut ausgestattet mit Moskito-Netzen, einem großen Deckenventilator, großem Bett, Schrank, Kleiderhaken und Regal. Sogar ein eigenes Bad mit Dusche, also wirklich alles, was man sich wünschen könnte. Ich konnte alles perfekt verstauen, trotz meinem vielen Gepäck.

Direkt vom Bett, durch mein Fenster beobachtete ich gerne die Kolibris beim Nektar trinken. Durch die Moskito-Netze statt Fenster schlief ich entspannt zu Tiergeräuschen ein und morgens wurde ich mehr oder weniger sanft von Brüllaffen geweckt.

Essen

Mit dem Essen war ich sehr zufrieden und es war immer genügend da. Unter der Woche aßen wir mittags immer warm, gekocht von zwei Mitarbeiterinnen. Dazu tranken wir leckeren frischen Saft. Morgens, abends oder am Wochenende durften wir uns bei den Vorräten bedienen und uns selbst nach Belieben etwas zubereiten. Zwischendurch erfreuten wir uns an Snacks und Keksen.

In dem fünf Minuten Fußweg entfernten Ort Ojochal gab es schöne Restaurants, wenn man am Wochenende mal nicht kochen wollte. Es war auch perfekt für Getränke am Abend. Für den eigenen Einkauf lief man etwas länger, ungefähr 30 Minuten. Oder man lieh sich eines der Fahrräder aus, die immer bereit standen. Hier konnte man selbst Essen, Hygieneartikel oder andere Alltagsdinge kaufen.

Freizeit

An den ruhigen Wochenenden hatte ich Zeit für mich oder auch zwischen oder nach Aktivitäten konnte man etwas unternehmen. Tagesausflüge waren gut möglich an freien Tagen, einmal in der Woche. Ich erkundete gerne die atemberaubenden Strände in der Nähe von Ojochal. Wichtig zu wissen, am Playa Tortuga ist zum Schutz der Tiere kein Baden möglich. Deshalb fuhren wir zum Schwimmen oder Sonnen immer an den Playa Ventanas, der auch nah gelegen ist. Darüber hinaus verbrachte ich meine Abende gerne in Restaurants oder Bars der Stadt und hatte dort sehr viel Spaß

Mein Volunteering in Costa Rica erstreckte sich über einige Feiertage wie Halloween, Weihnachten und Silvester. An diesen Tagen gab es besondere Veranstaltungen im Ort, wie eine Silvesterparty oder einen Weihnachtsmarsch der lokalen Schule. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen wurde uns ein freies Wochenende ermöglicht. Wir machten kleine Städtetrips oder besuchten Nationalparks mit Übernachtungen. Zum Beispiel ein Trip nach Quepos: Zuerst erkundeten wir die Stadt und am nächsten Tag ging es in den Nationalpark Manuel Antonio.

Empfehlenswert ist auch die nächstgrößere Stadt Dominical. Hier verbrachten wir auch ein Wochenende, oft fuhren wir aber auch nur für ein paar Stunden hin. Unsere Ausflüge unternahmen wir mit dem Bus, der nicht immer zuverlässig, dafür aber günstig war. Über Weihnachten nahm ich mir eine Auszeit und verbrachte die Tage in einem Hotel in Quepos bei einem Surfkurs. Mit den anderen Teilnehmern und den Surflehrern verstand ich mich sehr gut. Meine ersten Surf Versuche waren jedoch sehr holprig. Es war eine surreale, aber unvergessliche Erfahrung, so Weihnachten ohne meine Familie zu verbringen.

Besondere Erlebnisse

Meine erste und einzige Begegnung mit einer ausgewachsenen Olive Ridley Schildkröte bei einer der Nachtwanderungen am Strand war auf jeden Fall ein Highlight. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin entdeckte ich bei unserer ersten Runde am Strand Schildkröten-Spuren im Sand. Wir liefen entlang der Spuren, bis wir die Schildkröte erreichten. Es war spektakulär, so nah an dem Tier zu sein. Die junge Schildkröte hatte, nachdem sie ihr erstes Nest gelegt hatte, die Orientierung verloren. Wir halfen ihr, den Weg zurück ins Wasser zu finden, was sogar sehr lange dauerte, und gruben anschließend ihr Nest aus. Es war ein sehr besonderer und seltener Moment. 

Weiter ist fest in meiner Erinnerung verankert, als ich spät abends auf dem Weg ins Reservat von einem Hatchery Check von einem Kaiman überrascht wurde. Zum Glück bin ich nicht auf ihn getreten, denn er saß plötzlich mitten auf dem Weg. Aber ich konnte in Ruhe Fotos und Videos von ihm machen und ihn bestaunen. Ganz plötzlich zog er sich auch wieder zurück, aber die Erinnerung blieb mir nachhaltig im Kopf.

Für immer bleiben mir auch die wunderschönen Sonnenuntergänge an den Stränden Costa Ricas in Erinnerung. Besonders empfehlenswert ist der Playa Hermosa, dorthin haben wir Tagestrips gemacht und ich habe die schönsten Kulissen meines Lebens gesehen.

Mehr Erfahrungsberichte lesen:

>> Erfahrungsbericht aus einem 2-jährigen Volunteering in Peru

>> Erfahrungen beim Volunteering mit Kindern in Costa Rica

>> Freiwilligenarbeit als Paar in Ecuador – Erfahrungsbericht von Janina

Hier findest du weitere Berichte in unserem Magazin zu Costa Rica:

>> Freiwilligenarbeit in einem der beliebtesten Reiseziele Südamerikas