Sei gut informiert Volunteering-Tipps von Isabel Dwinger | Teil 5 von 10

| 21. November 2016 | 0 Kommentare

Zwei Voluntärinnen stehen mit mehreren Jugendlichen vor einem Haus

Finde heraus, was du über das Projekt nicht weißt!

Wenngleich der Veranstalter und das Projekt eng miteinander zusammen hängen, so sollte dein kritischer Blick hier noch nicht enden. Der wahrscheinlich wichtigste Tipp für einen sinnvollen Volunteering-Aufenthalt ist logischerweise, ein sinnvolles Projekt zu finden. Den vielen Initiativen und der medialen Kritik zu Folge, ist das aber gar nicht so einfach. Denn die stark wachsende Nachfrage nach Volontärprogrammen wurde in der Vergangenheit mitunter dadurch gestillt, dass Projekte künstlich geschaffen wurden.  Die Geschäftsführerin von Akte (Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung) kritisiert in einem Interview, was dabei heraus kommen kann:  Demnach führte der Boom kurzzeitiger Hilfeinsätze dazu, dass in einigen Fällen Schulen gleich mehrmals im Jahr von Volontären gestrichen wurden.

Die Sinnlosigkeit mancher Projekte stellt jedoch lediglich das I-Tüpfelchen, nicht aber den Höhepunkt der medialen Kritik dar. Schlimmere Auswirkungen hat es, wenn Projekte de facto Schäden anrichten. Die Campaignerin Anna McKeon führt bei ihren unangenehmen Wahrheiten auf, dass Freiwilligenarbeit lokale Initiativen und somit auch die Entwicklung einer Region untergraben können. Das ist natürlich nicht der Regelfall, aber das Risiko ist hoch, wenn die Anwohner und Helfer aus reichen Industriestaaten in Konkurrenz um knappe Ressourcen, also durch große Einrichtungen z.B. – und Arbeitsplätze stehen. Die lokale Bevölkerung hat keine Chance auf einen Arbeitsplatz, wenn Touristen für ihre Arbeit bezahlen. Die Frage ist also: Möchtest du nur glauben, etwas Nützliches zu tun oder möchtest du es auch wissen?

Für Anna McKeon ist daher die letzte Wahrheit, dass ein Volontär alles über seinen Aufenthalt und das Projekt erfahren muss, bevor die Reise beginnt.

Recherchiere dazu nach folgenden Informationen: Wer hat das Projekt zu welchem Zweck ins Leben gerufen? Wie ist es regional eingebunden? Wer ist dort tätig? Was ist das langfristige Ziel? Wurde ein Ziel klar festgeschrieben?

Für regionale Integrität steht zum Beispiel, wenn es vorzugsweise Einheimische selbst waren, die das Projekt zum Nutzen ihrer Region gründeten und auch die Angestellten vorwiegend zur lokalen Bevölkerung gehören. Wenn dein Job nicht auch besser von den Menschen vor Ort ausgeführt werden kann, such dir lieber ein anderes Projekt!

Für die Informationsbeschaffung empfehle ich wieder Foren, über die du mit ehemaligen Volontären in Kontakt treten kannst. Tausch dich mit ihnen über die Langfristigkeit deines Projektes aus. Suche wieder nach Erfahrungsberichten oder stell deine Fragen direkt an das Projektmanagement, sofern du die Kontaktdaten ausfindig machen kannst.

Wenn du noch mehr darüber lesen möchtest, gibt es hier noch einen ausführlicheren Artikel, der sich mit dem Thema Langfristigkeit eines Freiwilligenprojektes beschäftigt.

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Kategorie: Allgemein, Interkulturalität, Tipps, Voluntourismus

Isabel Dwinger

Über den Autor ()

Reisen? Das geht immer für Isabel Dwinger! Ob Work and Travel in Australien, Freiwilligenarbeit in Costa Rica, ein Praktikum in Spanien oder aber verschiedene Projekte wie die Bachelorarbeit in Ecuador oder eine Exkursion nach Madagaskar im Rahmen ihres Geographie-Studiums; in jeder Lebenssituation findet sie Wege ins Ausland. Darüber hinaus wirft sie auch gerne von zu Hause aus (kritische) Blicke auf derartige Aufenthalte und teilt ihre Erfahrungen am liebsten mit der Öffentlichkeit. Daher ist sie schon seit vielen Jahren Autorin für die Initiative Auslandszeit.

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