Lords of the Boards im Township

| 1. Dezember 2014 | 0 Kommentare

Sie rollen durch den Langa Township von Kapstadt, als wenn es kein Morgen gebe. Für viele Jugendliche in Deutschland ist Skateboarden nur ein Hobby – zwar ein ziemliches cooles, aber mehr nicht. Für einige Kinder im Langa Township ist es das Leben.

Kriminalitätsrate sehr hoch

Das Leben in den Townships ist hart und geprägt von mangelnden Perspektiven, fehlenden Bildungschancen und hoher Arbeitslosigkeit. Die HIV/Aids-Rate wächst stetig und die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Die soziale Ungleichheit und Isolation führt dazu, dass auch die Kriminalitätsrate sehr hoch ist und auch schon junge Menschen früh Gewalt miterleben.

Skateboard-Projekt vermittelt Coolness und schafft Brücken

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Im Langa Township ist Skateboarden seit dem vergangen Sommer schwer angesagt

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Durch das “Outlangish”-Projekt von Mthunzi Fesi kommen die Jugendliche auf andere Gedanken

Mit dem Skateboard-Projekt soll den Jugendlichen, die oft zum ersten Mal erfahren, wie es ist, Teil einer Gruppe zu sein, eine neue Perspektive im Leben sowie Alternativen zur Gewalt gegeben werden. „So ein Projekt vermittelt nicht nur Coolness, sondern es schafft Brücken zwischen Kulturen und es verändert Ansichten“, erklärt Initiator Mthunzi Fesi. „Ich habe natürlich auch eine Beziehung zu den Kindern und weiß, was da abgeht.“ Die Reaktionen sind äußerst positiv: Der 33-Jährige, der gebürtig aus dem Langa Township kommt und seit 13 Jahren in Deutschland ist und als Streetworker und Jugendbetreuer in Gaildorf/Schwäbisch Hall arbeitet, ist im Sommer 2013 zum ersten Mal mit einem Koffer voller Skateboards nach Südafrika gereist. Die Jugendlichen konnten sich dann die Skateboards bei seiner Mutter ausleihen, die noch im Langa Township wohnt. Die meisten kamen schon früh morgens und nutzten jede Minute der sechswöchigen Sommerferien. Gegen Ende konnten die ersten sogar schon die ersten Tricks. Einige von ihnen haben nun sogar den Wunsch, später Skate-Profi zu werden. Und Mthunzi ist sich sicher, dass es aus dem Dutzend auch einer schafft.

Südafrika ist auf Unterstützung von Freiwilligen angewiesen

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Mthunzi Fesi (l.) und Titus Dittmann (skate-aid) arbeiten in Kapstadt Hand in Hand

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Mthunzi konnte den Skatepionier unter anderem durch ein Video – hier beim Dreh – überzeugen

Damit das Projekt auch in Zukunft fortgeführt werden kann, sind Mthunzi und seine Mitstreiter auf Unterstützung angewiesen. Die bekommen sie unter anderem schon skate-aid aus Münster mit Skateboard-Pionier Titus Dittmann, der unter anderem in Afghanistan ein Skateboard-Projekt initiiert hat. Titus konnten sie unter anderem mit ihrem selbst gedrehten Video begeistern. skate-aid hatte schon länger versucht, auch in Kapstadt Fuß zu fassen, aber bis dato hatte das nicht so gut geklappt, nun arbeiten skate-aid und Mthunzi Hand in Hand, die Münsteraner sammeln unter anderem auch Spenden, um später damit einen Skatepark in Kapstadt errichten zu können. Auch Element und Billabong unterstützen das Projekt. Daher und auch dank der Unterstützung seiner Freunde hat Mthunzi schon einige Skateboards zusammen, ist aber ständig auf der Suche nach weiteren. Auch Helme, Schutzkleidung und helfende Hände sind gefragt. Auch der 33-Jährige selbst organisiert Spendenaktionen und gibt Konzerte, von denen ein Teil des Erlöses in das Projekt fließt. Künftig will „Outlangish“, so heißt das Projekt im Langa Township, mit drei Schulen vor Ort in Form einer Skateboard-AG kooperieren. Das Projekt startet in den südafrikanischen Sommerferien – bei uns ist dann Winter. Beginn ist ab sofort und dann will Mthunzi mindestens 300 Skateboards für die Schüler zusammen haben, die sich vor Ort künftig auf einer Freifläche, die so groß wie zwei Tennisplätze ist, auf den Boards austoben können. „Somit können wir künftig noch fokussierter und effektiver arbeiten“, freut sich Mthunzi, der übrigens selbst überraschenderweise gar kein Skater ist, sondern sich früher eher für Cricket und Fußball begeistern konnte. „Ich bin sehr gerne Zuschauer und fasziniert mich, ich habe das auch immer wieder versucht.“ Im Township wollte er aber eine besondere Sportart anbieten, die dort selten zu finden, aber weltweit sehr beliebt ist. Da ist er dann aufs Skateboarden gekommen, das in Südafrika schon weit verbreitet ist, aber im Township selbst noch nicht. „Es gab aber schon Leute im Township, die sich zuvor ihre eigenen Boards gebaut haben und damit herum gefahren sind“, erzählt Mthunzi, „also das Interesse war schon da. Da waren immer zwei bis drei Kinder, die Lust darauf hatten. Warum soll man dann nicht ein Projekt daraus machen?“

Bisher skaten nur Jungen im Township

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Im Langa Township ist Skateboarden seit dem vergangen Sommer schwer angesagt

Ab September soll es dann richtig losgehen. Dann sind auch Freiwillige in Langa willkommen, die in Mthunzis ehemaligen Kinderzimmer im Haus seiner Mutter – seine ganze Familie unterstützt sein Projekt – übernachten und bei unterschiedlichen Dingen helfen können: Skate-Kenntnisse sind unbedingt erwünscht. Denn sie sollen den Jugendlichen auch das Skaten beibringen und mit ihnen zusammen Half-pipes und Ramps bauen. Auf lange Sicht würde Mthunzi gerne noch eine Hausaufgaben-Betreuung anbieten, aber da sich das Projekt noch im Aufbau befindet, muss sich alles noch entwickeln. Für den Anfang hat Mthunzi angedacht, dass die Freiwilligen nur den Flug selbst zahlen müssen und sich vor Ort selbst verpflegen. Seine Freunde haben ihm im vergangenen Sommer schon einmal in Langa besucht und waren begeistert. Und auch wenn man immer viel Negatives über ein Leben im Township hört, kann Mthunzi die künftigen Volontäre beruhigen: „Im Langa ist es sicher, man kann sich auch als Ausländer auf der Straße frei bewegen und es gibt viele Freiwillige dort.“ Bisher sind übrigens nur Jungen unter den Township-Skatern, von den Mädchen, die Mthunzi angesprochen hat, konnte er bis dato keine überzeugen, die haben sich bisher nicht getraut, aber auch das soll sich bald möglichst ändern. Vielleicht gelingt das ja den Freiwilligen, dass dann künftig auch Mädchen durch den Township rollen, als wenn es kein Morgen gebe.

Mehr Infos auf: http://www.skate-aid.org/

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Kategorie: Im Focus, Projekte weltweit

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Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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